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ajas Arbeitswelt: am Anfang war Thyssen

     

Die mittlerweile große Anne begann Anfang der '80er eine Ausbildung zur Industriekauffrau bei Thyssen in Duisburg. Die Eintrittskarte für eine lebenslange Stellung – einmal bei Thyssen, immer bei Thyssen. Allerdings ließen die Umweltfaktoren nach der Ausbildung zu wünschen übrig, sie ähnelten einem Urlaubsprospekt. Versprochen wurden großzügige, gut ausgestattete Hotelzimmer mit Meeresblick und einem allmorgendlich frisch geharktem, palmengesäumten Strand. Bei der Ankunft im Urlaubsort erkannte man die Diskrepanz zwischen Foto und Wirklichkeit.

Direkte Aussicht auf die Brammenstraße mit weiß-orangefarbigem Qualm. Das wechselnde Farbenspiel wurde untermalt von einer metallischen Kakophonie: das hochtönende Quietschen der schwer beladenen Werksbahn, die sich in die Kurve legte, wurde immer wieder von einem rhythmischen Stampfen, Zischen und Hämmern begleitet, das sich ohrenbetäubend aus der Schmiede seinen Weg auch durch das geschlossene Fenster ins Büro bahnte.

Die zwei Kollegen hatten sich im Büro der rauen Außenwelt angepasst. Ob das Fenster auf oder zu war (so sacht man dat im Pott), machte kaum einen Unterschied, denn die beiden rauchten so viel, dass Helmut Schmidt ihnen Anerkennung gezollt hätte. Selbst nach fast 20-jähriger Zusammenarbeit siezten sie sich.

Da beide körperlängen-technisch der Herausforderung eines durchschnittlichen Wachstums nicht nachgekommen waren, hörten sie sich mehr, als dass sie sich sahen. Denn eine mit grüner Folie beklebte Glasscheibe trennte feinsäuberlich die sich gegenüber stehenden Schreibtische und schaffte eine durch nichts ablenkende Arbeitsatmosphäre. Farbe ins Spiel brachten nur die beinah DIN-A-4-großen Karteikarten: vormittags waren sie schweinchenrosa und nach dem Mittag maiwiesengrün.

Mit der lieben Anne wurde nicht gesprochen. Vermutlich weil sie nicht hinter einer Glasscheibe saß und der Schreibtisch quer vor Kopf stand. Von dort gab's den besten Blick auf das ganze Elend. Ein dunstiges, 12 Quadratmeter großes Kantor sollte die berufliche Zukunft bis zur Rente sein. Und dafür hatte ich mich angestrengt, einen guten Schulabschluss gemacht und eine qualifizierte Ausbildung zur Industriekauffrau abgeschlossen. Nein, danke. Das (Arbeits-)Leben musste bunter und lustiger werden.

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