ajas Herkunft
Von der Stadt aufs LandAnne Jansen (aja) wurde in den 60er-Jahren geboren. In Bottrop, dessen Name quasi schon für den Ruhrpott als solches steht. Es war die Zeit, als Verwandschaft noch groß und bucklig war. Alle Namen endeten auf -ski oder -czek, oder zumindest -y. Taten sie es nicht, hatten deren Abkömmlinge entweder auf dem Standesamt geschummelt oder dem Standesbeamten gut zugeredet. "Ihr wurdet doch alle von einer polnischen Wölfin gesäugt.", pflegte ein Onkel zu sagen, wenn sich jemand etwas auf den Namen Ochmann oder Million einbildete. Mit Zeche, Kokerei, Gute Hoffnungshütte und Stahlwerk in Sicht- und Riechweite, wurden die ersten Jahre in Oberhausen-Osterfeld verbracht. Im Sommer musste die kleine Anne raus, damit die Lunge mal so richtig ruß- und staubfrei durchatmen konnte. In Opas beigem VW Käfer — später einem weißen 1300 Variant mit roten Kunststoffpolstern, auf denen man an heißen Tagen so schrecklich mit den nackten Oberschenkeln kleben blieb —, ging es zu fest abgesteckten Liegeplätzen unter Birken in der Kirchhellener Heide. Dort traf sich die Sippschaft mit Kind und Kegel. Tägliches Camping bis zum Sonnenuntergang, inklusive Kaulquappen-Fang in wasserführenden Sandgruben und Feuersalamander durch die Heide verfolgen. Anfang der 1970er verwirklichte der väterliche Hüttenknecht mit seiner eigenen Hände Arbeit, und weiteren 10 Paaren seiner Kumpel, den Traum vom eigenen Häuschen im Grünen. In nur zwei Jahren zogen sie 11 Reihenhäuser im Bungalow-Stil hoch. Erst die Früh-Schicht auf der Hütte, dann flugs aufs Fahrrad, 7 Kilometer zur Baustelle radeln, schackern bis um 10 Uhr abends und nochmal 15 Kilometer zurückradeln. Zum Schluss bergauf, damit der Herr wusste, was er getan hatte. Um 4.45 Uhr schellte morgens wieder der Wecker. Mein Gott, haben wir malocht! Aus der kleinen Anne wurde auf dem Land zwischen Oberhausen und Dinslaken ein Backfisch. Nach der Schule ging's raus zum nächsten Bauernhof. Dort gab es immer was zu tun: Kuhstall misten, Sauen beim Werfen helfen, Erdbeeren und Kartoffeln lesen, Stroh oder Heu einfahren, Zäune reparieren, aufm Trecker sitzen, Rüben stechen und Baumbuden bauen. "Damals bist du noch auf Dinosauriern zur Schule geritten," sagte ein Kind mal. Ja, so scheint es gewesen zu sein. Wir hatten ja nix: nur drei Fernsehprogramme, einen Schwarz-Weiß-Fernseher, kein Telefon, kein Auto und trotzdem immer was zu tun. Lesen Sie weiter
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