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Texter-Tipp

 Jeden Monat neu. Wissenswertes rund um Text und Rechtschreibung.

Die Apostroph-Katastrophe

„Ich hab’ in der Schule gelernt, dass der Apostroph als Auslassungszeichen gesetzt wird.“, sagte meine Freundin Nina. Ich wollte ihr erklären, dass  f ü r s  ohne Apostroph geschrieben wird.
    
„Was wird denn bei  f ü r s  weggelassen?“
„Der Apostroph steht statt des -e, denke ich.“
     „Für es. Interessant. Bist du dir sicher?“, fragte ich Nina zurück.
„Oder es heißt korrekt für das.“ Ninas Stimme klang etwas unsicher. Du schreibst doch auch häufig mit Apostroph. Das würde ich dir jedes Mal korrigieren. Das ist mir zu locker.“'
    
„Bei meiner Art des Textens ahme ich einen Dialog nach. Und beim Sprechen werden häufiger Laute verschluckt. Das geht leichter von der Zunge und klingt einfach schmissiger. ‚Wie geht es, wie steht es?’, sagt kein Mensch. Zurück zum fürs. Fiele das -e weg, stünde dort ein Apostroph. Bei für das müssten zwei Apostrophe stehen für zwei entfallene Buchstaben. Steht aber nur eins.“ Ich wollte Nina aufs Glatteis führen.
„Vielleicht wird nur eins gemacht. Zwei Apostrophe hintereinander habe ich noch nie gesehen.“

Richtig: zwei Apostrophe hintereinander gibt’s nicht. Ein Apostroph reicht aus. So wird angezeigt, dass Buchstaben entfallen. Gleichzeitig wird die Lesbarkeit verbessert. Apostrophe sind immer häufiger zu sehen:

  • in großen Lettern auf Firmenschildern
  • in Werbeblättern und Texten
  • bei Namen
  • bei Pluralformen
  • bei Präpositionen
  • bei Wort-Endungen auf -s

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Damit Sie wissen, wie es richtig geht, kommen hier die Erklärungen. Achtung: Danach werden Ihnen die Fehler in Ihrer Umwelt ins Auge stechen.

Grundlage ist die amtliche Regelung der deutschen Rechtschreibung, E Zeichensetzung, 4.1 Apostroph zum Kennzeichnen von Auslassungen. (Leider sind im Duden nicht mehr die amtlichen Regeln enthalten.) Es gibt Gruppen, bei denen der Apostroph gesetzt werden muss:

  • bei Eigennamen,
  • in Wörtern, die ohne Apostroph schwer lesbar oder missverständlich wären und
  • in Wörtern mit Auslassungen im Wortinneren.

 

Namen sind nicht Schall und Rauch

Namen, die in der Grundform auf ein hörbares -s enden, bekommen im Genitiv (2. Fall, wessen?) ein Apostroph, wenn die Namen kein Possessivpronomen (besitzanzeigendes Fürwort: mein, dein, sein etc.) oder einen Artikel (der, die, das) mit sich führen. Diese Namen können am Ende auf folgende Buchstaben enden: -s, -ss, -ß, -tz, -z, -x und -ce sein.

mit Apostroph                                ohne Apostroph
Klaus’ Frau                                    die Frau des Klaus (nicht: von Klaus)
Hans’ Einladung                            die Einladung des Hans
Beatrix’ Nagelstudio                      das Nagelstudio der Beatrix
Fritz’ Fahrrad                                 Fritzchens Fahrrad

geht gar nicht
Anne’s Kiosk                                 Annes Kiosk
Müller’s Mittag’stisch                    Müllers Mittagstisch
Beatrix’s Nagelstudio                   siehe oben

Der inflationäre Apostroph-Einsatz lässt sich auch auf die englische Schreibweise zurückführen. Dort erhält der Name im Genitiv ein -s, das mit einem Apostroph vom Namen getrennt wird: Anne’s Cafe.

 

Lesbar abgekürzt

Lange Ortsnamen laden zu Abkürzungen ein. Das Apostroph wird zum Beispiel gern benutzt für

M’gladbach statt Mönchengladbach
D’dorf statt Düsseldorf
O’hausen statt Oberhausen

Und für alle weiteren Fälle,  k a n n  ein Apostroph gesetzt werden.

 

Schwer verständlich, leichter lesbar

Ein Apostroph erleichtert das Lesen bei umgangssprachlichen oder dialektgefärbten Redewendungen wie diesen:

 I’ küss’ die Hand, gnä’ Frau.                        Ich küsse die Hand, gnädige Frau.
Kop’ in ’n Nacken!                                        Kopf in den Nacken!
Das haut ein’ von ’n Socken.                       Das haut einen von den Socken.

Bei Wörtern, die leicht verständlich und lesbar und in ihrer Form geläufig sind, empfiehlt der Duden mittlerweile auf Apostrophe zu verzichten. Bei aktiven Werbetexten zerhacken die Apostrophe das Schriftbild. Und aufgepasst Schüler: Behauptet ein Lehrer, das wäre nicht korrekt – Duden vorderer Bereich aufschlagen, unter Regelungen und Hinweise A – Z, K 13, und das Gegenteil beweisen.

Komm zum Tag der offenen Tür.              Komme …
Häng deine Jacke an die Garderobe.        Hänge …
Kauf die gute Butter.                                 Kaufe …

 

Kommt in den besten Familien vor: Zuwachs

Soweit so gut zum allgemeinen Apostroph-Gebrauch. Bleibt noch die Auflösung des fürs. Verschmelzen Präpositionen (Verhältnisworte) mit Artikeln bleibt die Präposition erhalten und der letzte Buchstabe des Artikels wird angehängt.

auf+dem             aufm Markt stehen
zu+dem              zum Geburtstag gratulieren
in+das                ins Heu gehen
vor+das              vors Haus treten
für+das               fürs Büro

Diese Neubildungen werden zusammengeschrieben, die entfallenen Buchstaben nicht mit einem Apostroph getrennt. Die Formulierungen sind nicht zwangsläufig umgangssprachlich. Fühlt sich jemand wohler beim Ausschreiben beider Worte – bitte sehr. Korrekt ist beides.

Der Rat für deutsche Rechtschreibung will die Einheitlichkeit der deutschen Rechtschreibung bewahren. Diese gilt für Deutschland, Österreich, die Schweiz und Liechtenstein. Unter dem folgenden Link finden Sie die amtlichen Regeln.